Der erste Eindruck deiner Webseite

Wie lange schätzt du, geht es, bis der User diesen ersten Eindruck von deiner Webseite generiert? Drei Sekunden, Zehn, Dreissig oder gar eine Minute? Weit gefehlt. Studien zeigen, dass sich User in weniger als einer halben Sekunde ein erstes Urteil über eine Webseite bilden. Forscher an der Carleton Universität fanden heraus, dass sogar unglaubliche 50 Millisekunden – also ein Zwanzigstel einer Sekunde – reichen, um beim Betrachten einer Webseite zu entscheiden, ob diese für den User ansprechend ist1. Die Resultate der 50 Millisekunden Darstellung korrelierten in hohem Ausmass mit jenen nach einer beträchtlich Längeren, bei welcher die Testpersonen sich so lange mit der Webseite beschäftigen konnten, wie sie wollten. Wie kann das sein?

Die Macht des Unbewussten

Der Mensch nimmt pro Sekunde mit dem Auge bis zu 10 Millionen Bits an Informationen auf, davon jedoch lediglich magere 40 Bits bewusst. Andersrum, 9’999’960 Bits erreichen unser Bewusstsein gar nie. Diese massive Anzahl an Informationen beeinflusst unsere Wahrnehmung sowie Beurteilung der Umwelt und Verhalten jedoch in starkem Ausmass.

Als Beispiel wie das Gehirn Reize wahrnimmt und darauf reagiert ohne dass wir uns dessen bewusst sind: Welche der drei Frauen findest du am attraktivsten?

women

70 Prozent wählen Variante B, obwohl sie kognitiv keinen Unterschied angeben können. Der Grund liegt dem Bewusstsein verdeckt und im subtilen Verhältnis zwischen dem Taillen- und Hüftumfang. Die aktuell geltenden Idealmasse 90-60-90 ergeben ein Verhältniss von 0.67. Variante B kommt dem mit 0.7 am nächsten gegenüber A mit 0.8 und C mit 0.9.

Neigung zur Bestätigung

Die starke Korrelation bei längerer Betrachtung oder nur für einen ganz kurzen Augenblick, ist ebenfalls nicht erstaunlich, wenn man berücksichtigt, dass mit dem Bewusstsein oft bereits unbewusst gefasste Entschlüsse lediglich bestätigt oder gerechtfertigt werden. Stereotype und Vorurteile sind deshalb so weit verbreitet, weil sie effiziente Vereinfachungsstragegien des Gehirns sind. Übrigens auch bei der Umfrage zu der Attraktivität der Frauenbilder erfanden die Personen anschliessend Argumente zur Rechtfertigung ihrer Wahl.

Was bedeutet dies für meinen Webauftritt?

Wie die Webseite für einen optimalen ersten Eindruck gestaltet sein muss würde den Rahmen dieses Blogbeitrages sprengen und gerne zeigen wir auf Anfrage auf, wie dein Webauftritt optimiert werden kann. Ganz generell festhalten kann man jedoch: Oft sind Webseiten überladen mit zu viel Navigation, zu vielen Angeboten und sind schlicht zu komplex. Vor allem aber gilt es auch den Menschen vor Augen zu halten. Eine Webseite sollte Sympathie und Empathie vermitteln, was durch das Auslösen von Emotionen und Aktivieren von Spiegelneuronen gelingt.

overload

Macht der Gewohnheit – Fancy New vs. Etabliertem

Ein ausgefallenes neues Design mit unkonventioneller Navigierung kann durchaus erfolgreich sein solange die Bedienung intuitiv bleibt. Ob der Besucher eine komplett neue User Experience akzeptiert, ist letztendlich auch massgebend von seinem Involvement abhängig, welches im Internet in der Regel sehr tief ist. Die unzähligen Webseiten mit sehr ähnlichem Aufbau bieten dem User einerseits rasche Orientierung und anderseits erkennt dieser das „Muster“ der Seite in Millisekunden. Das dient der Sympathiebildung – denn was durch mehrmalige Sichtung bekannt ist, wirkt auf uns sympathisch (Mere-Exposure-Effekt) Dies soll kein Aufruf zu vollkommen standardisierten Webapplikationen sein, lediglich die kritischen Aspekte in der Usability nicht aus den Augen zu verlieren. Schliesslich gibt es genügend Spielraum und Möglichkeiten sich durch ein eigenes und abgrenzendes Design zu positionieren.

So wie wir gelernt haben Fahrrad zu fahren und dies nun ohne Kognition tun können, genau so ist in unserem Gehirn verankert, wie eine ansprechende Webseite auszusehen hat. Einmal mehr muss der Wurm dem Fisch und nicht dem Angler schmecken oder willst du deinem Besucher das Zweirad fahren neu erlernen lassen? Das kann durchaus lustig sein wie folgendes Video zeigt – jedoch nicht effizient.



Quellen:

  • Wie Werbung wirkt – Erkenntnisse des Neuromarketing, Haufe Verlag
  • Brainfluence – 100 Ways to persuade and convince consumers with neuromarketing, Wiley Verlag
  • Neuromarketing im Internet, Haufe Verlag